Aussaat und Vermehrung
Einige Kakteen bilden Kindel, die man abtrennt, neu bewurzelt und schon hat man eine neue Pflanze. Viele Kakteen jedoch lassen sich nur über Samen vermehren. Die besten Aussaaterfolge hatte ich bislang mit der Fleischermethode an bestimmten Aussatttagen, allerdings nicht in Gläsern, sondern im Plastikbeutel. Als Aussaaterde benutze ich ein Gemisch aus gewaschenen Betonsand und guter Aussaaterde, je zur Hälfte. Auch ein Gemisch aus gutem Torf und Betonsand, 1:1, hat sich bestens bewährt.
Das Gemisch feuchte ich leicht an, wichtig, da sich staubtrockenes Subtrat nicht erhitzt, und erhitze das ganze im Plastikbeutel in der Mikrowelle. Pro Liter Substrat ist mindesten eine Zeit von 2 Minuten erforderlich. Den Beutel aber nicht zubinden, der zerplatzt sonst. Riecht etwas streng, hat aber den gewünschten Erfolg, dass alle Keime, die den Erfolg der Aussaat gefährden könnten, Art abgetötet werden.
Das Substrat lasse ich etwas abkühlen und streue den mit Aatiram gebeizten Samen, meist 100 Korn, in einem 8er oder 10er Topf, je nach Größe der Samen auf die Oberfläche. Samen leicht andrücken und in Samenkornstärke mit Betonsand abstreuen.
Den Topf in einen neuen 3 Liter Gefrierbeutel, einen größeren Schluck Wasser mit Chinosol versetzt hinzu und den Beutel zugebunden. Die stelle ich dann auf eine Styropurplatte, da der Untergrund weich ist und evtl. herausgelöste Sandkörner aus dem Substrat den Beutel nicht durchlöchern. Wäre auch unangenehm, da dadurch das Wasser langsam und meist unbemerkt entweicht. Um das Herausrieseln von Substrat weitgehend zu verhindern, hat sich vor dem Einfüllen des Substrates in den Beutel ein Stück Küchenkrepp auf den Topfboden bewährt.
Gewaschenen Betonsand nehme ich deshalb, weil er aus fast reinem Quarz besteht, nicht teuer ist (10Liter Eimer € 0,60) und seinen Zweck erfüllt.
Die Beutel öffne ich das erste Mal nach ca. 2 Wochen und blase sie wieder vollständig auf und verschliesse ihn wieder. Ganz geöffnet werden sie, nachdem die Samen aufgegangen sind und sich die ersten Dornen zeigen. Auf diese Art und Weise ausgesät, halte ich Schädlinge und Pilze von der Aussaat fern.

Teil der Aussaat 2006, die jetzt ganz normal mit den anderen Kakteen bei 5 - 8°C überwintert werden.
Auch hat sich die Verwendung von PET Bechern, wie sie in der Lebensmittelindustrie verwendet werden, hervorragend bewährt. Sie können nebeneinander gestellt werden und es wird Platz gespart. Der Deckel wird, nachdem die Sämlinge groß genug sind, abgenommen. In Bodennähe an der Seite des Bechers wird ein Loch gestochen und die Becher können normal mitgegossen werden. Da die Becher seitlich durchsichtig sind, kann man auch sehen, wann das Substrat unter der Oberfläche trocken wird und dies nach dem wässern durchfeuchtet ist.

Hier eine Aussaat von Astrophytum, Strombocactus und Lophophora

Pikierte Astrophytum asterias und Trichocereus pachanoi im GH
Zu Aussaat und Vermehrung unter Kunstlicht gibt es eine Extra Seite.
Substrat
Wenn die Sämlinge die entsprechende Größe haben, werden sie anschließend pikiert, wobei die größten Exemplare jeder Aussaat gleich in kleine Töpfe kommen.
Wie jeder Kakteenfreund, der sein Substrat selbst mischt, habe auch ich meine eigene Zusammensetzung, die den Pflanzen recht gut bekommt. Das dürfte dann wohl die 7392. Mischung in Deutschland sein, denn am Substrat scheiden sich immer wieder die Geister.
Jeder hat seine Mischung und jeder schwört drauf. Ich natürlich auch. Dabei gilt, solange sich die Pflanzen darin Wohl fühlen, stimmt die Mischung.
Manche sagen, Kakteen vertragen keinen Torf, in Ariocarpen muss Lehm rein, Astrophyten wiederum vertragen keine Erden usw.. Grundsätzlich jedoch sollte das Substrat für Kakteen einen hohen mineralischen Anteil aufweisen. Das Substrat muss die Eigenschaft haben, schnell abzutrockenen und genügend Luft an die Wurzeln zu lassen.
Ich verwende als Hauptanteil Lavagranulat, welches auch als Streugut im Winter verkauft wird. Die restlichen Bestandteile sind gewaschener Betonsand, Torf, gute Blumenerde und Pinienrinde in der feinsten Körnung. Das mische ich immer in einer großen Wanne und lasse es austrocknen. Das trockene Substrat hat den Vorteil, das es beim Umtopfen sich gleichmäßig um die Wurzel verteilt und nicht angedrückt werden muss. So vermeide ich eine Verletzung der Wurzeln und muss nicht unbedingt bis zum Frühjahr mit dem Umtopfen warten.
Dieses Substrat wird bei mir für ALLE Kakteen benutzt. Der Parodia bekommt es gleichermaßen wie den Ariocarpen, den Astrophyten oder Ferocacteen.
Allerdings ist es für Epiphyten wohl nicht so geeignet, aber davon habe ich keine.
Trauermücken in der Aussaat
Die größten Feinde einer geglückten Aussaat sind Trauermücken, welche selbst im Erwerbsgartenbau sehr große Schäden anrichten können. Diese legen ihre Eier auf die feuchte Substratoberfläche. Die Larven der Trauermücken fressen die Sämlinge von innen auf und lassen eine leere Hülle zurück. Binnen kurzer Zeit können Trauermückenlarven eine ganze Aussaat zunichte machen. Ist die Aussaat befallen, helfen nur noch Nützlinge, z.B. in Form von Milben, welche über den Fachhandel bezogen werden können. Handelt es sich um einige wenige Sämlinge ist ein sofortiger Substratwechsel anzuraten.
Chemische Keule, wie BI58 erweisen sich gegen Trauermückenlarven als nutzlos. Ebenso muss von der Verwendung von Neudomück in diesem Fall abgeraten werden. Der Hintergrund ist die Wirkweise von Neudomück und die Lebenserwartung der verschiedenen Stadien der Trauermücke: Neudomück muss gleichmäßig mittels Giesswasser im Substrat verteilt werden. Bis jedoch die Wirkung des darin enthaltenen Bazillus einsetzt und die Larven von innen zersetzt, vergehen in der Regel ca.3 bis 5 Tage. In dieser Zeit finden die Larven jedoch ihr Optimum und setzen ihr Werk fort! Auch ein zwischenzeitliches oberflächliches Abtrocknen der Aussaat hilft wenig, die Larven ziehen sich in die tieferen und feuchten Schichten zurück. Zudem stirbt der Bazillus, welcher die Larven vernichten soll, ebenfalls.
Als wirksames Mittel haben sich neben den o.g. Nützlingen einmal Frischluft und Gelbtafeln bewährt. Ein Ventilator, welcher über den offene Aussaaten angebracht wird, sorgt für Luftbewegung, welches die Trauermücken bei der Eiablage stört. Da hier kein großer Ventilator gebraucht wird, eignen sich ein oder zwei Lüfter, wie sie im PC Verwendung finden. Als Stromquelle kann ein altes Ladekabel eines nicht mehr benötigten Handys dienen. Dieses reicht aus, da der Stromverbrauch solch eines Lüfters sehr gering ist. Ein Bekannter, welcher sich etwas mit Technik auskennt, kann euch bestimmt an dieser Stelle aushelfen.
Zusätzliche Gelbtafeln zeigen zudem einen frühzeitigen Befall an und helfen zu Beginn einzelne Mücken unschädlich zu machen.
Fatal wirkt und dies hält sich immer noch hartnäckig: Das Aufstellen einer fleischfressende Pflanze, wie Sonnentau. Damit Sonnentau überleben kann, muss dieser zwangsläufig sehr feucht gehalten werden. Ein idealer Nährboden für Trauermücken, denn diese werden von derartigen Bedingungen regelrecht angezogen. Bevor sich eine Mücke jedoch in den klebrigen Fressfallen eines Sonnentaus verirrt, kann die Mücke bereits bis zu 160 Eier legen. Schon wenige Tage später schlüpfen die Larven. Rein rechnerisch, würden aus allen 160 Eiern dann wieder Trauermücken werden, kann der Sonnentau diese gar nicht fressen. Man legt sich zu den 160 Eiern einer eijnzigen Trauermücke noch ein Hocheplosives dazu :-)
Fazit: Nur durch die vorbeugende Verwendung von Gelbtafeln und ausreichend Luftbewegung kann der Befall von Trauermücken erkannt und eingedämmt werden.
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